Bis Mitte des 20 Jahrhundert waren Holzschuhe im Alltag die übliche Fußbekleidung der Rumbacher. Sie waren nützlich, praktisch und langlebig. Die teuereren Lederschuhe wurden nur zu besonderen Anlässen getragen. So manchem armen Bauern “reichte” ein paar Lederschuhe sein ganzes Leben lang. Ein Klassenfoto aus
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Rumbach von 1933 zeigt Schüler mit Holzschuhen im Unterricht. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat erst 1955 den Schulkindern per schulaufsichtlichem Erlass untersagt, die öffentlichen Schulen mit Holzschuhen zu betreten. Nach dem 2. Weltkrieg lösten Lederschuhe den Holzschuh langsam ab und das Handwerk des Holzschuhmachers verschwand bis auf Ausnahmen aus der Gegend. Nur noch wenige beherrschen heute diese Kunst und wissen von den Vorteilen des Holzschuhes. Deshalb soll hier ein kurzer Überblick gegeben werden.

Geschichte


Holzschuhe gibt es offensichtlich schon seit dem 12. oder 13. Jhdt. Familiennamen aus dieser Zeit weisen auf den Berufsstand hin. Wir finden Holzschuhe in der von uns bekannten geschlossenen Form in Westfalen, Niedersachsen, Holland, Belgien, Nordfrankreich, den ehemaligen Ostgebieten, dem Elsaß und der Pfalz, also in Gegenden, in denen seit frühester Zeit Ackerbau betrieben wurde. 1910 gab es noch rund 123 Holzschuhhandwerker zwischen Rhein und Saar. Wer sich für die Holzschuhherstellung interessiert sollte das Schuhmuseum in Hauenstein oder dessen Bauernmarkt besuchen. Dort kann man sich die Herstellung nach alter Tradition ansehen.

Der Franzose nennt seine Holzschuhe "Sabots", der Holzschuhmacher ist der “Sabotier”. Sabotage bedeutet eigentlich "Mit den Holzschuhen treten.", denn Sabotage kommt von dem französischen Wort "sabot". Und ein Sabot ist ein Holzschuh mit Lederkappe. Französische Landarbeiter zur Zeit der beginnenden Mechanisierung der Landwirtschaft warfen ihre "sabotes" in die Ernte- und Verarbeitungsmaschinen (die ihnen den Job wegnahmen) und blockierten damit die Mäh- und Dreschmaschinen mit ihrer aufwendigen Mechanik und machten sie damit unbrauchbar. Um ihrer Arbeit willen betrieben sie "Sabotage". Aus Etymologisches Wörterbuch.

Holz


Je nach Gegend wurden verschiedene Hölzer verwendet. In Rumbach waren das bevorzugt Buche und Espe, in anderen Gegenden wurde auch Pappel- und Weidenholz verarbeitet. Je nach Härte des Holzes war es leichter oder schwerer ein Paar Schuhe zu herzustellen.

Beruf & Werkzeug


In jedem Dorf gab es Holzschuhmacher, die diesen Beruf neben der Landwirtschaft ausübten (vor allem in den Wintermonaten). Die Kunst der Holzschuhmacherei wurde oft vom Vater an den Sohn weitergegeben. Jedenfalls darf die Herstellung eines passenden Holzschuhes nicht unterschätzt werden und verlangt Erfahrung und entsprechendes Werkzeug. Die Bäume mussten erst gefällt und gespalten, danach der Klotz innen und außen mit dem Holzschuhmachergeschirr (Spitz, Haken und 5 Löffelbohrer) behauen und geformt werden. Zum Schluss wurde ein Lederriemen über den Spann genagelt, der dadurch Verstellmöglichkeiten bot. Bis ca. 1860 war die Herstellung reine Handarbeit, dann erleichterten Kopier- und Ausbohrmaschinen die schwere körperliche Arbeit. Vom Fällen des Stammes bis zum fertigen Schuh dauerte die Herstellung für ein Paar, mit oder ohne Maschinen, etwa 90 Minuten. Der Abfall und auch die abgetragene Schuhe wurde als Heizmaterial im Ofen verbrannt.
In den Schuhen trug man gehäkelte Socken, die die Frauen herstellten.

Holzschuhmacherfamilie
Holzschuhmacherfamilie aus Norddeutschland bei der Arbeit, Aufnahme von 1905 (www.vcp-recke.de/gemeinde-recke.html?start=2)

Preise


In den 1950er Jahren kostete ein Paar Holzschuhe zw. 2.- und 3,50 DM. Heute etwa 20 - 30 Euro

Haltbarkeit & Verwendung


Härte und Gewicht der verschiedenen Hölzer trugen wesentlich zu Trageeigenschaften und Haltbarkeit der Schuhe bei. Bei der Herstellung konnten Fehler gemacht werden, die die Lebensdauer verkürzen konnten. Nicht jeder Teil des Stammes war geeignet und der Schuhmacher musste das im Vorfeld dem Holzklotz ansehen. Wenn das Holz später platzte, war das nicht nur unangenehm bei Regen und Schnee, sondern auch gefährlich, da der Holzschuh auch bei Waldarbeiten getragen wurde, und so als eine Art “Sicherheitsschuh” diente.
Pro Jahr und Träger wurden etwa 2 Paar Holzschuhe benötigt.

Laufen mit Holzschuhen


Das Laufen in Holzschuhen ist kaum mit dem Laufen in “modernen” Schuhen vergleichbar. Die Schuhe sind starr und schmiegen sich nicht an den Fuß an. Um die Schuhe beim Laufen nicht zu verlieren, muss der Träger immer ein wenig “schlurfen”. Holzschuhe rutschen auf glatten Flächen wie Kopfsteinpflaster; dies macht das Laufen für Ungeübte mühsam und anstrengend. Ausgesprochen mühselig war es wohl auch das Laufen durch Schnee. Unter den hölzernen Sohlen setzten sich Schneeschichten fest, durch die man das Gleichgewicht verlieren konnte und deshalb alle paar Meter versuchen mußte, den Schnee von dort abzuklopfen oder abzutreten. Auch im Kuh- und Schweinestall mussten Holzschuhe ihren Dienst tun.
Man darf heute nicht vergessen wieviel mehr früher gelaufen wurde. Die Felder und Waldungen lagen oft weit vom Dorf entfernt. Die Straßen waren nicht geteert.

Gesundheit


Der Holzschuh war eine äußerst gesunde Fußbekleidung !

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Seine Vorteile gegenüber üblichen Lederschuhen waren:
• Schutz gegen Bodenfeuchtigkeit
• bessere Ventilation und Durchlüftung durch das ständige Abheben von der Sohle und “einpumpen” frischer Luft
• Verminderung von Schweißfüssen
• bessere Durchblutung die Zehenfreiheit, dadurch Vermeidung von Spreizfüssen
• Verhinderung von Plattfuß- und Hammerzehenbildung durch die ständige Aktivität der Fußmuskulatur
• Vermeidung von frühen Fußschäden bei Kindern

Quellen


• Der letzte Holzschuhmacher im Dahner Tal
• http://www.holzschuhmacher.com/Geschichte.htm
• Grafik: http://www.original-holzschuh.de/produkt_information.htm
• Gutachten der Orthopädischen Universitätsklinik Münster /Westfalen
• Foto: http://www.vcp-recke.de/recke/holz.htm