Trachten

Rumbacher 1895 beim Oktoberfest im Original und später als colorierte Postkarte.
Auf diesem Foto beruhen die heutigen Trachten der Salztrippler.

Gibt es eigentlich eine “Pfälzer Tracht” ?

Nicht im Sinne der Trachten die wir aus dem Elsaß, den Alpen oder dem Schwarzwald kennen. Schon vor Jahrzehnten haben Heimat- und Volkskundler darüber diskutiert. In seinem Buch “Pfälzer Trachten” Bilder aus 4 Jahrhunderten von Willi Niedermeier, kommt der Autor zu der Erkenntnis :

 “Es gibt keine Pfälzer Tracht, aber es gibt Trachten aus der Pfalz”.

Niedermeier, PFÄLZER TRACHTEN aus 4  Jahrhunderten, 1985

Den Grund hierfür sieht er in der jahrhundertelangen politischen Zerrissenheit der Gegend. Als die Pfalz 1816 zu Bayern kam, war die große Zeit der Trachten schon vorüber. Trotzdem haben wohl französische Besetzung und die spätere Zugehörigkeit zu Bayern Einfluß auf Brauchtum und Feste genommen.

Um 1850 bedauern über das Land ziehende Schriftsteller den Rückgang der trachtenähnlichen Kleidung. So erzählt W.H.Riehl von seinen Wanderungen, daß der Pfälzer “auffällige und prächtige Trachten verabscheue” und glaubt das die Menschen lieber jeden leben liessen wie es ihm gefiehle. Auch wären die Standesunterschiede in der Pfalz nicht, wie sonst üblich, in der Kleidung ausgeprägt. So denkt auch Ludwig Schandein, wenn er sagt daß der Pfälzer ein “gestörtes Verhältnis” zur Tracht hätte, da er “gerne unabhängig, jeglichem Fortschritt zugetan und freiheitsliebend” sei.

Die Tracht wurde Mitte des 19.Jhdt., laut Becker, nur noch zum sonntäglichen Kirchgang angelegt, und das auch nur von älteren Menschen. Die übliche Kleidung bis vor 150 Jahren waren bei den Männern ein einreihiger leinener Rock für die Arbeit, kurze, knappe, hirschlederne Hosen mit Strümpfen, Gamaschen und festen Schuhen . Dazu trug man am Sonntag einen blauen Rock mit deutschem Schnitt und einen krempigen Hut, der nach zwei oder drei Seiten aufgeschlagen war. Bei den Frauen wurde die weiße, steife Haube durch schwarze Kappen mit krausem Rand ersetzt.

Angesichts der vielen Einflüsse, denen die Rumbacher ausgesetzt waren, verwundert uns nicht, daß er keine Tracht im herkömmlichen Sinne besaß.  Zu diesen Einflüssen gehörten die Einführung des Protestantismus (ab 1532) mit seinen asketischen Zügen, die Einwanderung der reformierten Schweizer vom Dreißigjährigen Krieg (1618-48) bis ins 18.Jhdt, die “Franzosenzeit” (1793-1815) und die “bayrischen Zeit” (1816-1940). Was wir über die Bekleidung wissen sind wenige Abbildungen von alten Stichen, colorierten Lithographien aus dem Wasgau und einer Fotografie aus dem Jahre 1895, als eine Abordnung Rumbacher am traditionellen Oktober-Festumzug in München teilnahmen.


Der Förderkreis Rumbach versucht deshalb mit seinen “Salztripplern” das wenige an Tradition verbliebene am Leben zu erhalten.

Quellen

  • Foto Rumbacher 1895 von Helma Neuhart
  • Text und andere Fotos: “PFÄLZER TRACHTEN aus 4  Jahrhunderten” von Willi Niedermeier, Gondrom Verlag Kaiserslautern, 1985 (nicht mehr im Handel erhältlich)